Bindung

Bindung zwischen Hund und Halter.

enges Bindungsverhalten
Die Hunde hier im Bild zeigen ein enges Bindungsverhalten.

Bindung

Bindung kann einfach als das Band und die Beziehung verstanden werden, die der Halter mit dem Hund hat.
Obwohl der Begriff ‚Bindung‘ ursprünglich davon stammt, um das sich entwickelnde Band der Zuneigung zwischen einem menschlichen Säugling und seiner Bezugsperson zu beschreiben, ist es zwischenzeitlich üblich, es für eine Vielzahl von sozialen Beziehungen anzuwenden.

Dazu gehört auch die Beziehung zum Hund, denn in Laborversuchen wurde herausgefunden, dass die Beziehung des Hundes zum Menschen einer Eltern-Kind-Beziehung ähnelt. Dies liegt daran, dass die in den Versuchen gezeigten Verhaltensweisen in den Bereichen von einer sicheren bis unsicheren Bindung kategorisiert werden können, wie dies auch bei den Interaktionen zwischen Mutter und Kind der Fall ist.
Eine sichere Bindung ist für ein Baby unerlässlich, damit es sich zu einem psychisch gesunden Erwachsenen entwickeln kann, und auch für Hunde hat dies wichtige Auswirkungen. Der Grad der Bindung, den der Hund zum Halter und anderen Familienmitgliedern hat, kann direkt davon beeinflusst werden, was er in der Vergangenheit erlebt hat und was er in Zukunft erwartet.

Es gibt fünf Kategorien von Bindung. Ein Hund mit einer sicheren Bindung freut sich über engen Kontakt mit Menschen, auch mit solchen, die er nicht sehr gut kennt. Hunde mit einer vermeidenden Bindung dagegen zögern möglicherweise, sich zu nähern, geschweige denn angefasst zu werden.
Die Bindung, die der Halter zu seinem Hund hat, ist ein sehr wichtiger Aspekt, um zu verstehen, warum er sich auf eine bestimmte Weise verhält.

Hunde, die eine sichere Bindung haben, zeigen meist ein positives Verhalten. Hunde mit unsicherer Bindung unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht, mögen aber im Allgemeinen nicht allein gelassen zu werden, sind übermäßig ‚anhänglich‘ und ‚bedürftig‘ und zeigen möglicherweise andere bedenkliche Verhaltensweisen.
So kann es sein, dass ein unsicherer, meidender Hund den Kontakt zum Menschen ganz vermeidet und sich nur sehr ungern nähert. Ein unsicherer, dagegen ambivalenter Hund zeigt ein unterschiedliches Maß an Begrüßungsverhalten, das manchmal freundlich und liebevoll ist, aber manchmal auch defensives Verhalten zeigt. Ein unsicherer, desorganisierter Hund zeigt wahlloses, extremes Begrüßungsverhalten und kann sehr besorgniserregend sein.

Bindungsstufen

Hunde begrüssen
Hunde mit gefestigtem Vertrauen lieben es auch fremde Personen zu begrüßen und von ihnen angefasst und gestreichelt zu werden.

Gefestigte Bindung:
Erkundung des beobachten Verhaltens von Herrchen.
Der Hund zeigt eine gewisse Besorgnis, wenn der Besitzer oder die Bezugsperson geht oder durch die Tür schaut, setzt aber seine Beobachtung oder Beschäftigung fort.
Ein beständiges, selbstbewusstes und fröhliches Begrüßungsverhalten
Wenn ein Hund eine sichere Bindung hat, ist er gerne beim Halter und auch selbstbewusst genug, um ein gewisses Maß an Selbständigkeit zu zeigen.

Unsichere Bindung:
Der Hund kann sehr anhänglich sein und leidet unter erheblichem Stress und möglichen Ängsten, wenn er allein gelassen wird.

Vermeidende Bindung:
Vermeidungsverhalten kommt gegenüber dem Besitzer vor, kann aber besonders bei Fremden beobachtet werden. Stress und mögliche Angst, wenn der Hund allein gelassen wird.

Zwiespältige Bindung:
Der Hund zeigt abwechselnd entgegengesetzte Verhaltensweisen und unterschiedliche Reaktionen bei Begrüßungen. An einem Tag zeigt er fröhliches Begrüßungsverhalten, am anderen Tagen vermeidet er den Kontakt.

Verwirrte Bindung:
Der Hund zeigt verwirrendes Bindungsverhalten. Es besteht ein inkonsistenter Bindungsstatus, der willkürlich variiert. So freut er sich an einem Tag, seine Bezugsperson zu begrüßen, am nächsten Tag zeigt er potenziell aggressive Verhaltensweisen.


Beeinflussung des Verhaltens des Hundes

Hunde genießen das enge Zusammensein
Diese Hunde genießen das enge Zusammensein auch mit dem Menschen.

Der Aufbau der Bindung und Sicherheit eines Hundes erfordert die Entwicklung von Vertrauen durch positive Erfahrungen. Bestrafung ist eine negative Erfahrung und untergräbt daher sehr wahrscheinlich die Bindung zwischen Halter und seinem Hund.

Wenn ein Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt, kann dies durchaus auf eine fehlende Anleitung durch das Training zurückzuführen sein oder auf eine Störung in einem seiner Verhaltensweisen zum Überleben, den sogenannten Kernbedürfnissen.

Futter-Sponsor
Ein ‚Futter-Sponsor‘ hat natürlich die Sympathien aller Hunde, ist aber nicht unbedingt die Person, an die sich der Hund am engsten bindet.

Dies bringt uns zu einer Untersuchung der spezifischen Techniken, die verwendet werden, um das Verhalten eines Hundes zu beeinflussen. Positive Verstärkung bedeutet, dass der Hund belohnt wird, wenn er ein von uns gewünschtes Verhalten zeigt, was dazu führt, dass das Gehirn des Hundes ‚Wohlfühl-Chemikalien‘ freisetzt, sodass er mit großer Wahrscheinlichkeit Spaß am Training hat und schrittweise lernt.

Das einzige, was jedoch Bestrafung bewirkt, ist Angst. Daher empfiehlt es sich, auf die nachfolgend aufgeführten Trainingsmethoden zu verzichten:

Elektronisches Halsband:

Mit dem Elektronischem Halsband kann ein Trainer per Fernsteuerung Elektroschocks unterschiedlicher Stärke dem Hund verabreichen. Es nutzt extreme Bestrafung, um dem Hund Schmerzen zuzufügen, wenn er ein bestimmtes Verhalten zeigt.
Man stelle sich einmal die Angst und Verwirrung des Hundes vor, der nicht weiß, dass ihm ein Gerät um den Hals geschnallt wurde, aber den Schmerz sehr wohl spürt, wenn sein Verhalten zu einem Stromschlag führt. Dies ist ein sicherer Weg, um den Hund zu traumatisieren, depressive Gefühle zu erzeugen und zu einer völligen Abschaltung des Geistes zu führen.

Es gibt Beispiele, bei denen mit einem Hund gearbeitet wurde, der extrem traumatisiert war, weil er auf diese Weise zuvor einmal ‚trainiert‘ worden war. So konnte das Tier sich nicht im selben Raum aufhalten, wie in Gegenstand, der ihn an die Fernbedienung des Gerätes erinnerte. Es zitterte beim Anblick einer TV-Fernbedienung und wurde so Geräusch-phobisch, dass es die Außenwelt fast nicht mehr ertragen konnte. Wie sich dies auf den Bindungsstatus, das Vertrauen und Zutrauen zu Menschen auswirken muss, ist ganz offensichtlich. Diese Hunde können davon zutiefst betroffen sein und es kann Jahre dauern, bis sie wieder Vertrauen fassen.

Sprühhalsband:

Dieses Gerät versprüht einen Sprühnebel, der oft in das Gesicht des Hundes gesprüht wird und per Fernbedienung aktiviert oder durch Vibrationen wie Bellen ausgelöst werden kann.
Auch diese Geräte können dazu führen, dass der Hund durch Unterdrückung seines Verhaltens ruhig und depressiv wird, und können auch phobische Reaktionen auf Lärm hervorrufen.

Wurfkette:

Die Wurfkette wird dem Hund an den Hintern geworfen, wenn er etwas tut, was dem Halter nicht gefällt, oder auch um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Wird die Kette aber mit zu viel Kraft geworfen oder trifft eine verletzliche Stelle wie das Auge, so verursacht sie aber starke Schmerzen.

Schütteldose gefüllt mit Kieselsteinen oder Münzen:

Solche Gegenstände werden verwendet, um den Hund aufzurütteln und ihn zu erschrecken, damit er aufhört zu tun, was er gerade tut. Auch diese Gegenstände führen zu Abwehrreaktionen beim Hund und gehen außerdem nicht auf die emotionalen Ursprünge seines Verhaltens ein.

‚Überflutung:

Dieser Ausdruck beschreibt es, wenn der Hund etwas exzessiv ausgesetzt wird, was er nicht mag und ihn beunruhigt. Diese Methode kann aber auch äußerst schädlich sein.
Zum Beispiel wird ein Hund, der Angst vor anderen Hunden hat, in einem Raum voller Hunde sitzen gelassen. Dies kann bei den unglücklichen Hunden, die sich der Situation nicht entziehen können, zu einem totalen innerlichen Rückzug führen, vor allem, wenn dann auch noch Bestrafung eingesetzt wird. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Angst des Hundes noch verschlimmert und einen Punkt erreichen kann, an dem er so ängstlich und gestresst ist, dass er anfängt, sich völlig zu verschließen. Dies sollte vermieden werden.

Würgeketten:

Würgeketten verursachen Schmerzen und ziehen sich zusammen, wenn der Hund daran zieht. Obwohl sie vor allem bei stark an der Leine ziehenden Hunden immer noch weit verbreitet sind, ist ihre Verwendung nicht ratsam, da sie bei unsachgemäßer Anwendung sogar Verletzungen verursachen können.

Fallen:

Fallen werden so aufgestellt, dass zum Beispiel, wenn ein Hund Futter stiehlt oder Mülleimer plündert, etwas auf ihn fällt und ihn dazu bringt, Schmerzen zu spüren oder zu erschrecken. Dies kann zu schweren Ängsten und Unsicherheiten führen.

Sprühflasche oder Spritzpistole:

Diese werden mit Wasser gefüllt und vielleicht mit einer kleinen Menge Mundwasser oder Essig vermischt, sodass sie eher abschreckend wirken. Dies kann das unerwünschte Verhalten unterdrücken, kann bei einem sehr ängstlichen Hund aber eine Wasserphobie hervorrufen.
Bei anderen, selbstbewussten Vertretern der Gattung, ist dies aber weniger ein Problem und wenn der Wasserstrahl ohne großen Aufhebens oder Ansprache abgegeben wird, erkennt der Hund den Zusammenhang seines Verhaltens mit dem Wasserspritzer, ohne es negativ auf Herrchen zu übertragen.


Ironischerweise unterdrücken diese Methoden lediglich das ungewünschte Verhalten, da die Ursache des Problems nicht angegangen wird. Die Unterdrückung unerwünschter Verhaltensweisen kann zu einer ‚Spontanreaktion‘ führen, bei der das Verhalten zukünftig überraschen und viel heftiger wiederkehrt oder in einer anderen Art und Weise auftritt.

Man kann einem Hund nicht helfen, seine Ängste zu überwinden, indem man ihm einen Stromschlag verpasst. Dies macht die Sache nur noch viel schlimmer und sorgt dafür, dass er dabei noch leidet.

Nur wenn man sich mit der Ursache für das Verhalten Ihres Hundes befasst, kann man sein Verhalten ändern und es in eine andere Reaktion umwandeln.
Wenn einem Hund, der aus Angst andere Hunde anbellt oder anknurrt, einen Stromschlag versetzt oder eine Dose mit Steinen geschüttelt wird, hört er nicht auf, weiterhin Angst zu haben. Es macht ihn nicht selbstbewusster, weniger ängstlich oder mehr umgänglicher. Es wird dabei nur das Bellen und Knurren unterdrückt, sodass es nicht mehr auftritt – aber er hat immer noch Angst, und der Grund für sein Verhalten wird unberücksichtigt gelassen. Das ist das grundlegende Problem bei der Anwendung von Strafe und bis zu einem gewissen Grad auch eine negative Verstärkung des ungewünschten Verhaltens.

Die Alternative zur Verursachung von Schmerzen und Leiden besteht darin, sich mit einem Problem zu befassen. Das Interessante daran ist, dass diese Alternative oft einfacher und effektiver ist, als man denkt.

junge Hunde raues Spiel
Diese Hunde auf dem Bild sind jung und in einer rauen Spielweise vertieft. Da sie alle selbstbewusst und gut sozialisiert sind, haben sie aber Spaß daran.

Integration eines Rescue-Hundes

Training, Führung und Anleitung im Leben des Hundes ist besonders wichtig. Der Hundehalter sollte daher einen Vierbeiner auf natürliche Weise dazu bringen können, zufrieden zu sein und das Leben mit ihm zu genießen. Dieses Training sollte für alle – Hund und Herrchen – erfolgreich sein, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Rescue-Hund und seinen Besitzer gelegt werden sollte, da diese beide vielleicht ein bisschen mehr Hilfe benötigen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ein Training mit Bestrafung durch Angst kann zu weiterem unerwünschten Verhalten führen, das aus einem erhöhten Maß an Angst resultiert. Schon die Bezeichnung ‚Rescue-Hund‘ drückt schon aus, dass solch ein Tier schon oft in irgendeiner Weise gelitten hat, weshalb sein Bindungsstatus möglicherweise fragil sein kann.
Eins ist jedoch sicher: Wenn man einen Rescue-Hund erfolgreich in seinem Zuhause integrieren möchte, wird dies nicht gelingen, wenn man nicht weiß, wie man das Verhalten seines Hundes fair und auf freundliche Weise beeinflussen kann.

Kind spielt mit Hund
Spiele unter Artgenossen begeistern die meisten Hunde, deshalb sollte auch der Mensch sich auf diese Weise interessanter für den Hund machen. Die Beziehung zwischen Hund und Kind bedarf jedoch der Aufsicht durch Erwachsene.

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