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Sozialisierung

Warum die richtige Sozialisierung für Hunde wichtig ist.

Sozialisierung von Hunden
Die wichtige Sozialisierung von Hunden für den Kontakt und das Spiel.

Selbst eine perfekte Erziehung oder Ausbildung des Hundes nützt nichts und führt früher oder später in eine Katastrophe, wenn dieser dadurch seine natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse unterdrücken muss.


Sozialisierung ist wichtig

Viele Tiere lernen bestimmte Dinge während eines festgelegten Lebensabschnitts. Dies ist bei Hunden nicht anders und später, außerhalb dieses Zeitraums, die benötigten Dinge nachzuholen, ist ungleich schwerer und dauert auch länger.
Dazu gehört der Umgang mit Artgenossen, die Erforschung der Umgebung, der Umgang mit Stress und die Anpassung an neue Gegebenheiten.

Sozialisierung ist der Prozess, durch den der Hund lernt, andere Hunde zu akzeptieren und mit ihnen zu kommunizieren. In der freien Wildbahn lernt er dies durch Beobachtung. Der Haushund lernt von Geburt an mit seinen Wurfgeschwistern und seiner Mutter, wie man mit anderen Hunden umgeht. Wenn er jedoch dem Wurf entnommen und in ein Zuhause vermittelt wird, ist es wichtig, dass er seine Ausbildung sein Leben lang fortsetzt.

Die Sozialisierung ist für den Hund wichtig, denn es ist eine soziale Spezies, und die Interaktion mit Artgenossen ermöglicht es ihm, Stress und überschüssige Energie abzubauen und Spaß zu haben.
Da Hunde effektiv durch gegenseitiges Beobachten lernen, kann die Sozialisierung auch das Erlernen anderer wichtiger Verhaltensweisen und sozialer Fähigkeiten des Hundes fördern.

So kann ein richtig sozialisierter Hund bei der Begegnung mit anderen Hunden gut mit diesen umgehen und weiß genau, was zu tun ist. Dies kann für den Besitzer eine große Erleichterung darstellen, insbesondere wenn es darum geht, an der Leine und vor allem ohne Leine spazieren zu gehen.


Die Sozialisierungsphase

Welpen lernen ihre Welt kennen
Welpen lernen ihre Welt kennen, wie hier am Meer mit anderen Hunden.

Bei Hunden beginnt die Phase der Sozialisierung etwa in der dritten Woche und ist nach vier bis fünf Monaten abgeschlossen. Die wichtigste Phase ist der Zeitraum von der vierten bis achten Woche.
Wird dieser Zeitraum nicht richtig genutzt, treten beim Hund erhebliche Verhaltensstörungen auf, welche zumeist erst später offenbar werden. Holt man nun solch einen Hund zu sich nach Hause, steht einem viel Arbeit und Geduld bevor und womöglich hat man für dessen Lebensspanne, also die nächsten 10 bis 15 Jahre, trotzdem immer noch ein Problem.

So gibt es Züchter, insbesondere bei größeren Rassen, welche die Welpen erst nach der zwölften Woche abgeben, damit die Jungen noch die Sozialisierungsphase ab der achten Woche bei ihrer Mutter in der bekannten Umgebung absolvieren können. Dadurch sollen sie zusammen mit ihren Geschwistern den Spiel- und Bewegungsdrang ausleben.

In einem natürlichen Rudel dagegen gibt die Mutter ihre Welpen jedoch ab der achten Woche an der Rudelführer ab, sodass dies eigentlich der beste Zeitpunkt zum Wechsel in ein anderes Heim mit seiner neuen Umgebung ist.
Sind die Welpen aber nicht artgerecht in einer isolierten Umgebung aufgewachsen und haben die wichtige Sozialisierungsphase zwischen der vierten bis achten Woche ‚verpasst‘, so sind spätere Verhaltensprobleme schon vorprogrammiert.

Weil die Sozialisierungsphase so kurz ist, muss sie besonders intensiv genutzt werden. Vor allem, wenn ein Welpe nach der achten oder zwölften Woche in seinem neuen Heim angekommen ist, müssen daher die letzten vier bis zwölf Wochen zur Prägung des Hundes dringend genutzt werden.

Kontakt mit möglichst vielen anderen Hunden
Kontakt mit möglichst vielen anderen Hunden und Menschen ist wichtig.
Dabei ist es wichtig, dass der Welpe Umgang mit verschiedenen Menschen in unterschiedlichem Alter – vom Kind bis zur Oma oder Opa – und Geschlecht hat.
Genauso wichtig ist es aber für ihn, auch andere Hunde und Welpen kennenzulernen. Verpasst dies der Welpe, so reagiert er als erwachsener Hund auf Artgenossen ängstlich oder aggressiv.
Auch andere Tiere, wie Katzen, Schafe, Hühner, Pferde, Kühe und Wildtiere sollte der junge Hund frühzeitig kennen und den richtigen Umgang mit ihnen erlernen.

Weiterhin ist die Vertrautheit zum Straßenverkehr und seinen Geräuschen wichtig, ebenso wie die Fahrt im eigenen Auto. Alle möglichen Geräusche innerhalb der Wohnung (Waschmaschine, Staubsauger, Kindergeschrei, Musik u.s.w.) und außerhalb (Bauarbeiten u.ä.) sind ebenso wichtig, wie optische Eindrücke (Spiegel, flatternde Tücher, Dunkelheit, Autoscheinwerfer, Regenschirme, Hüte, Spazierstöcke u.s.w.).

Das Kennenlernen umfasst auch besondere Räumlichkeiten, wie Unterführungen, Kaufhäuser, Märkte oder einen Fahrstuhl, ebenso wie verschiedene Bodenuntergrunde, wie schiefe Flächen, Stufen, Gitterroste, glatte Fliesen, Brücken oder andere Unebenheiten.

Auch verschiedene Futtersorten und Arten sollten in kleinen Portionen ausprobiert werden. Dies alles sollte der Welpe kennen, bevor er fünf Monate alt geworden ist.


Treffen und Begrüßen zwischen Hunden

Begrüßungszeremonie
Begrüßungszeremonie zwischen Hunden und Welpen.

Beim Kennenlernen und Begrüßen zwischen Hunden geht es darum, Informationen über den anderen zu erhalten.
Wenn es einem Hund an Selbstvertrauen fehlt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er nervöses, defensives oder potenziell aggressives Verhalten an den Tag legt. Deshalb ist es wichtig, die Hunde zu ermutigen, ruhig und entspannt zu bleiben, wenn sie sich begrüßen.

Rescue-Hündin Canella
Soziale Interaktion zwischen Hunden, wobei der große Hund links nicht übermäßig von dem Kontakt begeistert ist.
Wenn ein Hund dabei seine ‚Haare aufstellt‘, bedeutet dieses Signal nicht unbedingt, dass er sich aggressiv verhalten wird. Dies kann genauso gut bedeuten, dass er ein bisschen nervös ist und sich entfernen möchte.

Durch die Vermeidung des direkten Blickkontaktes und das Anheben einer Pfote, versuchen Hunde, die Spannungen während der Begrüßungszeremonie abzubauen.
Andere Hunde können eine distanziertes und nervöses Verhalten mit angespannten Gesicht, verschlossenen Maul und Unsicherheiten zeigen, was darauf hindeutet, dass sie sich im Fall der Fälle schnell zurückziehen und entfernen möchten.

Rüden umkreisen sich
Diese zwei Rüden umkreisen sich, was ein Signal zur Vorsicht ist.
Während dieser Phase des Kennenlernens bewerten die Hunde die anderen Artgenossen und verarbeiten die Informationen, um zu entscheiden, ob sie die Interaktion fortsetzen wollen.
Wenn sie keine Freundschaft schließen wollen, kann die Situation zunehmend angespannt werden, wozu Knurren, das gegenseitige Umkreisen oder eine andauernde, angespannte Körperhaltung gehören. Wenn eine derartige Situation entsteht, ist es ratsam, die Tiere zu trennen und mit dem eigenen Hund wegzugehen.

Dabei sollte man die Hunde weder Berühren noch sich zwischen sie stellen. Stattdessen verwendet man ein Kommando wie ‚Komm mit‘ mit fröhlicher, kräftiger Stimme, um eine Unterbrechung des Verhaltens zu erreichen.
Außerdem kann ein Spielzeug, zum Beispiel ein Ball, hilfreich sein, sie dazu anzuregen, sich von dem anderen Hund abzuwenden.

Am wichtigsten ist es, alles zu vermeiden, was die Spannung erhöhen würde, zum Beispiel die Hunde zu ermahnen, da dies die Situation nur noch verschärfen könnte.


Das Spiel zwischen den Hunden

Welpen-Spiele
Welpen-Spiele.

Dies ist oft der lustigste Teil der Geschichte. Viele Hunde lieben es, miteinander zu spielen und sich gegenseitig zu jagen. Es ist daher sehr hilfreich für sie, in dieser Phase des Sozialisierungsprozesses an derartigen Spielen beteiligt zu sein.

So bietet sich zum Beispiel die Gründung oder Teilnahme an einer ‚Welpen-Spielgruppe‘ an, wo etwa gleichaltrige Artgenossen vertreten sind.
Dabei ist es wichtig, dass die Gruppe nicht zu groß ist und auch gut betreut wird, denn es ist manchmal notwendig, steuernd einzugreifen, wenn kleinere oder ängstlichere Welpen von älteren, kräftigeren und dreisteren Artgenossen übermäßig geärgert werden.

Grundsätzlich sollte man sich aber in das Geschehen nicht groß einmischen und auch kleinere Streitigkeiten in der Gruppe sind völlig normal und sollten zwischen den Welpen geregelt werden. In diesem Alter lernen die Hunde nämlich am besten, wie man sich zankt und anschließend auch wieder verträgt, was die Grundlage einer guten Sozialisierung ist.


Hüteverhalten

Hüteverhalten
Hüteverhalten

Hunde, die sehr stark vom Hüteverhalten beeinflusst werden, und dazu neigen, sich dabei übermäßig zu engagieren, brauchen regelmäßige ‚Auszeiten‘ während des Spiels. Bei Hütehunden ist es nämlich typisch, dass sie Schafe oder Ziegen, umrunden, fixierend sich vor diese stellen oder in die Beine oder das Fell von zwicken, um diese zusammenzuhalten oder in eine bestimmte Richtung zu dirigieren, was sie dann auch im Spiel mit Artgenossen übertragen.

Die dann notwendige ‚Auszeit‘ kann erreicht werden, indem man den Hund zu sich zurückruft und ihn auffordert, etwas anderes zu tun. Dadurch wird sein Herzschlag verlangsamt und sein Adrenalinspiegel gesenkt.

Wenn der Hund anfängt während des Spiels zu beißen, fordert man ihm am beste auf, sich auf die eigene Person zu konzentrieren um erteilt ihm einfache Befehle wie ‚Sitz‘ oder ‚Pfötchen geben‘. Hilft das nicht, nimmt man den Hund an die kurze Leine.

Collies werden zum Beispiel als Hütehunde gezüchtet und daher ist das Hüteverhalten ein wesentlicher Bestandteil ihres Wesens. Dem Hund zu helfen, den dadurch existierenden Trieb von anderen potenziellen Zielen abzulenken, kann zwar hilfreich sein, trotzdem ist dieses Verhalten auch typisch für das Spiel des Hütehundes.
Dieses Verhalten ist nicht unbedingt problematisch, aber es sollte überwacht werden, damit das ‚Spiel‘ nicht eskaliert.


Wenn die Dinge aus dem Ruder laufen

rabiates Welpenspiel
Auch beim Welpen-Spiel kann es manchmal schon etwas rabiater werden.

Viele Hunde spielen sehr grob miteinander, und das Getümmel eines Hundespiels kann für die Halter ziemlich beängstigend werden. Das ist völlig normal und viele Hunde lieben es, auf diese Weise zu spielen.

Hund hat genug
‚Mir reicht es jetzt und keinen Schritt weiter‘ meint der linke Hund gegenüber dem Terrier.
Andere dagegen, die sensibleren und empfindlichere Hunde oder die sehr jungen oder älteren Exemplare, machen manchmal nicht gerne bei solchen rauen Spielen mit. Sie können dann durch derartige Verhaltensweisen ziemlich nervös werden.
Deshalb sollte man einen derartigen Hund im Auge behalten und wenn dieser Anzeichen von Unruhe oder Angst zeigt b.z.w. genug von dem Spiel hat, ihn wieder zu sich nehmen und den Spaziergang allein fortsetzen, um sich von den anderen Hunden zu entfernen.

Das Ignorieren solcher Signale kann für den eigenen Hund schädlich sein und zu zukünftigen Problemen führen. Dies trifft vor allem dann zu, wenn er gezwungen ist, aggressives Verhalten zu zeigen, um den Abbruch des Spieles zu erzwingen. Es ist zwar ganz normal, dass sich Hunde gegenseitig mit einem warnenden Knurren ‚abwimmeln‘, doch ist Vorsicht geboten, wenn dies eskaliert oder einer der Hunde nicht auf die Warnungen reagiert.

Trotzdem sind Hunde in den meisten Fällen viel besser als der Mensch in der Lage, solche Situationen zu entschärfen. Trotzdem ist Vorsicht oft besser als Nachsicht, also sollte man darauf vorbereitet sein, einzugreifen und die Aufmerksamkeit des Hundes auf andere Dinge zu lenken.
Auch wenn sich Spielzeug bei den spielenden Hunden befindet, kann dies die Ursache für Streitigkeiten werden, weshalb man dieses bei unsicheren Situationen besser beiseite lässt.

Hund auf dem Rücken
Wer auf dem Rücken liegt, hat verloren und gibt auf, was ein unterwürfiges Verhalten ist.
Viele jüngere Hunde zeigen beim Kennenlernen oder beim Spiel ein unterwürfiges Verhalten, um zu zeigen, dass sie keine Bedrohung darstellen. Insbesondere das auf den Rücken legen mit allen vier Pfoten nach oben ausgestreckt ist ein solches Unterwürfigkeit-Signal.
Wenn sie an Selbstvertrauen gewinnen und mit weniger bedrohlichen Personen oder Tieren sozialisiert sind, werden sie dieses Verhalten in den meisten Fällen langsam ablegen.

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