Erziehung

Grundlagen der Erziehung des Hundes.

Gut erzogene Hunde
Gut erzogene Hunde warten brav beim Einkauf vor dem Ladengeschäft.

Erziehung des Hundes

Um einen Hund richtig zu erziehen und sich ihm gegenüber verständlich zu machen, muss ein Hundehalter verstehen, wie Hunde ‚denken‘ und mit welchen Gefühlen sie leben.
Auch ist kein noch so unerzogen scheinender Vierbeiner ‚verloren‘, denn ein Hund ist sein ganzes Leben über lernfähig und kann sich immer wieder veränderten Situationen anpassen. Dadurch kann sich das Benehmen und der Gehorsam des Hundes im Laufe der Zeit, je nachdem, was der Halter unternimmt, verbessern oder auch wieder verschlechtern.
Von Vorteil ist auch, dass Hunde sich erst dann geborgen fühlen, wenn sie in einem geordneten Rudel mit konsequenten Regeln leben.

Der Hund, der Egoist

Auch wenn der Hund noch so treu schauend vor einem sitzt, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, das selbst die niedlichsten, kleinen Welpen krasse Egoisten sind. Und ein ’schlechtes Gewissen‘ haben sie schon gar nicht!

Dem Hund ist es ziemlich gleichgültig, ob Herrchen von ihm enttäuscht ist oder sich blamiert fühlt, wenn er mal wieder die egoistische Seite herauskehrt. Er hat auch keine Ahnung davon, dass Herrchen es als ‚undankbar‘ empfindet, wenn er sich wieder einmal daneben benimmt, selbst wenn er aus dem Tierheim adoptiert wurde oder als ausgesetzter Welpe gerettet wurde und noch so sehr geliebt wird.

Hunde kennen vermutlich noch nicht einmal einfachste Grundmuster wie ‚etwas ist erlaubt‘ oder ‚verboten‘ oder gar moralische Einordnungen wie ‚Gut und Böse‘.

Hunde kennen nur den Unterschied zwischen ‚ungefährlich‘ und ‚gefährlich‘ bzw. zwischen ‚angenehm‘ und ‚unangenehm‘.
Der Hund stiehlt nur deshalb das Essen vom Tisch heimlich, weil er gelernt hat, dass es in Abwesenheit von Menschen ‚ungefährlich‘ bzw. ‚angenehm‘ ist, im Beisein von ihnen aber ‚gefährlich‘ und somit ‚unangenehm‘ enden kann. Es hat nichts damit zu tun, dass er weiß, dass er das ’nicht machen darf‘.

Dies ist eine natürliche Eigenart der Tiere und sollte ihnen deshalb nicht übel genommen werden. Zwar wird der Hund sein Herrchen auf seine Art zwar lieben, aber er kann sich nicht in andere Lebewesen hineinversetzen.
Er macht sein Verhalten deshalb nicht von den inneren Gefühlen seines Menschen abhängig, sondern nur von den Konsequenzen (angenehm bzw. unangenehm), welches es für ihn hat.

Auch wenn diese Information ernüchternd für das Herrchen ist, hat dies aber auch Vorteile! Denn der Hund wird zwar nichts nur deshalb tun, um zu gefallen, aber auch nichts, um absichtlich zu verärgern oder sich gar zu rächen.

Verknüpfungen

Da Hunde weder nachdenken noch logisch kombinieren können, lernen sie vor allem auf zweierlei Weisen:

Klassische Konditionierung

Zum Ersten werden Dinge miteinander verknüpft, welche oft genug gleichzeitig oder ganz kurz hintereinander passieren. Der Fachbegriff hierfür ist die ‚klassische Konditionierung‘.
Dazu gehören z.B. Vorgänge, wie das Bellen, wenn an der Tür geklingelt wird, da dies normalerweise bedeutet, dass ein Besucher kommt.

Gebell, wenn ein Besucher vor der Tür steht
Gebell, wenn ein Besucher vor der Tür steht, was für viele Menschen bedrohlich wirken kann.

Oder der Hund freut sich bereits, wenn Herrchen sich in die Jackentasche fasst, weil er diese Bewegung nach einiger Wiederholung mit der Ausgabe eines Leckerlis verknüpft. Ein Klassiker ist es auch, wenn die Sporthose oder Laufschuhe angezogen werden, denn dann folgt ja normalerweise der Spaziergang mit Hund. Und weil der Autor gerade vor seinem Computer sitzt, um diesen Artikel zu schreiben, möchte er nicht unerwähnt lassen, dass sobald er den PC herunterfährt, seine Hunde genau wissen, dass nun die Arbeitszeit beendet ist und der tägliche lange Spaziergang oder bei zu schlechtem Wetter zumindest direkt das Mittagessen anstehen.

Durch derartige Verknüpfungen kann man den Hund auch dazu bringen, auf Kommandoworte oder Sichtzeichen zu reagieren und die Bedeutung bestimmter Gesten, Worte und auch Situationen zu verstehen.

Verknüpfungen können mit der Zeit auch wieder nachlassen oder ganz verschwinden, wenn sie über einen längeren Zeitraum nicht aufgefrischt werden. Wird zum Beispiel die Türklingel viele Male betätigt, ohne dass eine Person vor der Tür steht, wird das Interesse des Hundes daran und auch sein üblichens Bellen nachlassen.

Operante Konditionierung

Die zweite herausragende Lernweise der Hunde ist ‚Trial and Error‘, zu Deutsch als ‚Versuch und Irrtum‚. Diese ‚operante Konditionierung‘ erfolgt allerdings genau genommen nach dem Prinzip ‚Versuch und Erfolg‘.

Stellt sich dem Hund ein Problem, probiert er verschiedene Methoden und Verhaltensweisen aus. Beispielsweise möchte unser Hund durch eine verschlossene Haustür gelangen, um seine Kumpels auf der Straße zu begrüßen.
Um die Tür zu öffnen, versucht er es mit Bellen, Hochspringen, Kratzen, Stillsitzen, Im-Kreis-Laufen usw. Diejenigen Verhaltensweisen, die zu keinem Erfolg führen, ’sterben mit der Zeit aus‘, d.h. sie werden in der betreffenden Situation gar nicht mehr gezeigt.

Die Methoden, welche aber zum Erfolg führen, bleiben im Gedächtnis des Hundes haften. Diese wird er in ähnlichen Lagen wieder anwenden.

Nun liegt es an Herrchen, diesen Lernprozess in die richtigen Bahnen zu lenken. Wenn man also mal für eine bestimmte Zeit das Haus verlassen und den Hund hinter der geschlossenen Tür zurückzulassen muss, so hofft man bestimmt nicht auf Bellen, Winseln, Kratzen und an der Tür oder an den Fenstern Hochspringen!
Dieses Verhalten wird man dem Hund aber antrainieren, wenn man einige Male die Tür nach dem Verlassen der Wohnung oder Hauses wieder öffnet, während der Hund dahinter tobt. Denn wenn er nur einige male mit seinem Verhalten erfolgreich war, dass Herrchen wieder zurückkommt, wird es diese Methode immer und wieder probieren.

Deshalb darf die Tür nur geöffnet werden, wenn es dahinter still ist. So lernt der Hund, dass nur ruhiges Abwarten die Tür wieder öffnen wird und sein ersehntes Herrchen zurückkommt.

Gewöhnung und Sensibilisierung

Es gibt noch zwei weitere Lernformen, die beim Hund auch angewendet werden können. Dies sind Gewöhnung und das empfindlicher auf äußere Einflüsse reagieren, also die Sensibilisierung.

Der Mensch gewöhnt sich an einen bestimmten Geruch oder Lärm, wenn er diesem nur lange genug ausgesetzt ist. Ähnlich ist es beim Hund, welcher sich mit der Zeit als Halsband oder das Autofahren gewöhnt. Die Gewöhnung kann aber auch gegenüber ständigem Schimpfen oder Leine-rucken erfolgen!

Autofahrt ist lustig
Eine Autofahrt ist lustig, wenn Welpe oder Junghund sich erst einmal daran gewöhnt hat.

Allerdings ist es auch möglich, anstatt sich an etwas zu gewöhnen, dass man empfindlicher bzw. sensibler darauf reagiert.
Bei Hunden können sich auf diese Weise allerdings auch starke Ängste aufbauen. Ein geräuschempfindlicher Hund kann sich bei der Jagd mit einer Schrotflinte oder wenn er in der Nähe beim Tontaubenschießen warten soll, entweder an das Knallen gewöhnen oder darauf immer ängstlicher reagieren. Dies kann nach kurzer Zeit zu einer ausgewachsenen Angst vor dem Knallen aller Art, wie auch beim Gewitter oder Feuerwerk, führen.

Tontaubenschiessen
Viele Hunde zeigen Ängste beim Knall einer Flinte, wie hier beim Tontaubenschiessen.

Richtiger Zeitpunkt

Aufgrund der zuvor beschriebenen Zusammenhänge, ist das ‚Timing‘ eines der wichtigsten Merkmale bei der Erziehung des Hundes. Lernen durch Verknüpfung oder Ausprobieren klappt nämlich nur dann, wenn ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen den Ereignissen vorhanden ist.

Der Hund kann die zwei Ereignisse nur dann miteinander verknüpfen, wenn sie ganz kurz aufeinander folgen, idealerweise im Abstand von nur wenigen Sekunden! Er erkennt nur dann etwas als Folge seines eigenen Handelns, wenn es innerhalb weniger Sekunden darauf folgt.
Deshalb ist es wichtig, bei den Erziehungsmaßnahmen blitzschnell zu sein!

Wird der Hund beim Betreten des Zimmers dabei ertappt, wie er Essen vom Tisch stiehlt, darf man nicht erst einmal schockiert oder sprachlos sein. Denn der Hund wird beim Anblick oder dem Geräusch des Eintretens von Herrchen sofort von seiner ‚Beute‘ ablassen und näherkommen. Wenn erst jetzt die Schimpftirade beginnt, verknüpft der Hund diese mit seinem Näherkommen!
Deshalb wird der Hund weiterhin vom Tisch stehlen, aber Herrchen ausweichen oder ein ’schlechtes Gewissen‘ beim Näherkommen zeigen, was nicht Sinn der Erziehungsmaßnahme sein sollte.

Hund stiehlt
Auch das fällt unter Diebstahl: mal schnell den Teller auf dem Tisch ’sauber‘ gemacht.

Motivation zum Lernen

Motivation ist zum Lernen und Handeln notwendig, also es muss ein Beweggrund vorhanden sein. D.h. selbst der bravste und liebste aller Hunde gehorcht nur, wenn er es auch will! Dies hat zur Folge, dass man den Hund erst einmal ausreichend motivieren muss!

Zu diesem Zweck gibt es erst einmal nur zwei Möglichkeiten, welche unter dem Sprichwort ‚Zuckerbrot und Peitsche‘ bekannt sind. Dies bedeutet für den Hund entweder die Aussicht auf eine Belohnung oder die Angst vor einer Strafe.

Die Belohnung – also die Verstärkung des Handels – führt dazu, dass der Hund zukünftig die belohnte Verhaltensweise häufiger ausführen wird.

Hund sitzt auf der Wärmematte
Der Hund sitzt brav auf der Matte und erhält zur Belohnung ein Leckerli.

Die Strafe dagegen führt dazu, dass der Hund die bestrafte Handlung in Zukunft entweder seltener oder gar nicht mehr macht.
Daraus ergibt sich aber zwingend, dass die Belohnung oder die Strafe bei einem Hund nur zeitnah (innerhalb von Sekunden) angewendet wird, um sein zukünftiges Verhalten zu verändern. Wird eine als Strafe gedachte Maßnahme nicht rechtzeitig oder wiederholt erfolglos angewendet, ist sie jedoch lediglich eine Tierquälerei!

Strafe folgt auf dem Fuß
Strafe folgt auf dem Fuß: nach einem Streit mit einem Rudelmitglied für eine Weile in der Ecke angebunden.

Die Motivation durch Belohnung ist außerdem bei jedem Hund unterschiedlich. Für manche mag ein Stück Knäckebrot eine Belohnung sein, während es bei anderen schon ein knackiger ‚Stick‘ oder ein Leckerli sein muß. Und selbst dann ist bei einem vollen Magen die Motivation für den Hund nicht mehr ganz so groß, als wenn er hungrig wäre.

Belohnung aus der Tube
Die ‚Belohnung aus der Tube‘ ist besonders motivierend.

Leider versteht die Mehrzahl aller Menschen unter Hundeerziehung in erster Linie die Bestrafung. Dabei ist die positive Verstärkung einer Handlung – oder eben das Unterlassen der Handlung, z.B. die Hauskatze zu jagen und stattdessen gemächlich vorbeizugehen – wesentlich effektiver, da ein Hund sich für die mögliche Belohnung voll einbringt und mit Eifer bei der Sache ist.

Hund Koexistenz mit Katzen
Zwischenzeitlich werden die Katzen der Kolonie nicht mehr gejagt, sondern es herrscht Koexistenz.

Strafe kann einem Hund zwar auch ‚Beine machen‘, hat jedoch viele unerwünschte ‚Nebenwirkungen‘. Darunter fallen zum Beispiel übertriebene Unterwürfigkeit, Lustlosigkeit, Unsicherheit oder sogar Sturheit und im schlimmsten Fall sogar Angst und Meideverhalten.

Deshalb sollte es das Ziel sein, auf Strafe so weit als möglich zu verzichten. Die Konzentration sollte darauf erfolgen, das erwünschte Verhalten des Hundes zu fördern und zu belohnen, statt unerwünschtes zu bestrafen.
Viele werden überrascht sein, was man so alles erreichen kann und wenn der Hund etwas erlernen soll, was Aktivität erfordert. Zum Beispiel bei ‚Komm‘, ‚Sitz‘ und ‚Platz‘ kommt man sonst mit Bestrafung oder Zwang sowieso nicht weit.
Wo es aber darum geht, dass der Hund etwas Unerwünschtes unterlässt – wie zum Beispiel Jagen, Stehlen oder Anknabbern – kommt man nicht immer darum herum, auf Strafe zu verzichten. Diese muss aber sofort – also innerhalb von Sekunden nach der unerwünschten ‚Tat‘ – und angemessen erfolgen.

Hund wieder eingefangen
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