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Sprache der Hunde

Die Sprache der Hunde.

Hund mit Schleife
Hunde haben ihre eigene Sprache.

Die Sprache der Hunde unterliegt oft einigen populären Irrtümern und besteht aus Verhaltensweisen, die jeder Hundebesitzer kennen sollte. Anschließend wird der ein oder andere erstaunte Leser seinen Hund danach mit völlig anderen Augen sehen.


Sprache der Hunde

Missverständnisse vermeiden

Missverständnisse zwischen Hunden und ihren Besitzern können zu Disharmonie in der Beziehung führen und einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung des Hundes durch den Besitzer haben.
Wenn ein Besitzer ein wichtiges Signal verwechselt oder überhört – z. B. die Angst vor Streicheleinheiten – kann der Hund gezwungen sein, seine Intensität zu erhöhen, was zu weiteren Missverständnissen führt.

Dies ist besonders schädlich, wenn man versucht eine Beziehung zu einem Hund aufzubauen, der bereits unter dem Einfluss von Stress und Angst leidet. Die Fähigkeit, die Signale des Hundes zu verstehen, wird dem Halter helfen, dessen Vertrauen zu gewinnen und die Beziehung zu vertiefen.


Stress

Hunde ohne Stress
Hier gibt es definitiv keinen Stress und alle Hunde sind trotz Hechelns entspannt.

Eine häufige Ursache für Missverständnisse und anschließende Misserfolge bei der Vermittlung eines Rescue-Hundes ist die Unkenntnis darüber, dass Hunde unter Stress leiden können.
Während die Zwingerhaltung im Tierheim bei Hunden Stress hervorrufen kann, ist es möglich, dass dieser sich durch andere Umstände verstärkt, wie z. B. durch die Trauer über den Verlust des vorherigen Besitzers oder durch zurückliegenden Stress aufgrund von Tiermissbrauch, sei es absichtlich oder unabsichtlich.

Viel zu oft hält dieser Stress auch nach der Adoption noch an, weil viele Menschen das Verhalten und die Körpersprache von Hunden nicht verstehen. Darüber hinaus ist Stress für Hunde nicht nur im Tierheim gegeben, sondern kann auch durch Veränderungen jeglicher Art, durch den Umgang mit dem Hund und durch viele andere äußere Reize ausgelöst werden.

Wenn wir Menschen unter Panikattacken leiden, treten dabei oft die folgenden Symptome auf: schneller Herzschlag, Zittern und Unruhe, Hitzewallungen, das dringende Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen, keinen Appetit, rasende Gefühle und andere extreme Emotionen. Wir können auch noch viele andere Erfahrungen machen, wie beunruhigende ‚Gefühle‘ und grauenhafte Gedanken.
So muss man sich nur einmal eine Person vorstellen, welche Angst vor dem Fliegen hat ! Sobald das Flugzeug anrollt und in die Luft abhebt, erleidet diese eine Panikattacke, wobei viele dieser zuvor beschriebenen Gefühle zur Realität werden. Zum Glück sind die meisten Menschen in der Lage, die Situation rational einzuordnen.

Hund zeigt potenziell aggressives Verhalten
Dieser Hund zeigt potenziell aggressives Verhalten, wenn andere Hunde vorbeigehen. Trotzdem muss es kein besonders aggressiver Hund sein, da dieses Verhalten erst einsetzt, wenn der andere Hund sich entfernt und nicht bei der Annäherung.
Dies gilt aber nicht für ängstliche Hunde, welche keine rationalen Gedanken fassen können. Hunde erfahren echte Angst, wenn sie einem furchterregenden Reiz ausgesetzt sind, den sie nicht rational einordnen können und damit bleibt die Bedrohung somit immer gleich bestehen.
Mein Rüde Simba führt zum Beispiel einen ‚Tanz‘ auf, bei dem er vorwärts und rückwärts springt und dabei bellt, wenn er auf einem ihm unbekannten Hund an der Leine mit dessen Menschen trifft – hat aber kaum Probleme bei frei laufenden Hunden oder einzelnen Menschen !
Andere Hunde fletschen die Zähne und kauern sich zitternd in ihrem Schlafplatz zusammen, wenn jemand im Tierheim in ihren Zwinger hineinschaut. Wieder andere drehen sich im Kreis und springen zitternd und mit offenem Maul hechelnd an Herrchen hoch, wenn ein Fremder zu nahe kommt.

Alle diese Hunde sind verängstigt und reagieren auf erkennbare Weise auf Stress. Manche Menschen glauben, dass ihr Hund nur ‚dumm‘ ist, wenn sie solche Verhaltensweisen beobachten. Hier macht man es aber sich zu einfach und verzichtet auf die anspruchsvolle Alternative, die Umstände zu ermitteln und zu berücksichtigen und zu überprüfen, welche diesem beunruhigenden Verhalten vorausgehen.
Es ist anzuerkennen, dass es zu jedem Verhalten einen triftigen Grund gibt. Wenn dieses Verhalten besorgniserregend ist, ist es daher notwendig zu hinterfragen, warum es auftritt, um ernste Missverständnisse zu vermeiden.

Stress ist eine psychologischer und physiologische Reaktion auf eine reale oder wahrgenommene Bedrohung der Sicherheit. Wenn eine Stressreaktion ausgelöst wird, bereitet sich der Körper darauf vor, zu rennen oder zu kämpfen, obwohl er ebenso auch vor Angst gelähmt sein kann.
Ein verängstigter Hund kann seine Angst nicht in Worte fassen, aber wenn man lernt, ihn zu verstehen, gibt dies die Kontrolle über die Situation zurück und somit die Möglichkeit, etwas zu verändern.


Stress-Signale
Stress bei Hunden
Diese zwei Hunde zeigen deutliche Anzeichen von Stress.

Die folgenden Verhaltensweisen sind typische Zeichen von Stress bei Hunden:

Hecheln, vor allem nicht unbedingt nach einer körperlichen Belastung. Die Zunge wird oft angespannt aus dem Maul gehalten und ist vorne breiter.
Schreiten, Winseln, Bellen, Weinen, die Unfähigkeit zur Konzentration.
Graten und Furchen im Gesicht können auftreten, Leckerlis werden nicht angenommen und ein unruhiges Verhalten gezeigt.
Wegziehendes Maulen, Zwicken oder Beißen in die Leine.


Schütteln des Körpers
Hund schüttelt sich
Wenn Hund vom Baden aus dem Meer kommt, beginnt er sich zu schütteln.

Wenn ein Hund aus dem Wasser kommt oder frisch gewaschen wurde, schüttelt er sich trocken. Dieses Verhalten tritt aber auch auf, ohne dass er im mindesten Nass geworden wäre !

Dies passiert zum Beispiel dann, wenn der Hund voller Freude zu Artgenossen läuft und im letzten Moment erkennt, dass sich diese mit etwas Fressbaren beschäftigen. Um keinen Konflikt heraufzubeschwören, dreht er sich herum, läuft ein Stückchen zurück und bleibt dann abrupt stehen, um sich zu schütteln.
Dies ist ein ‚Abschütteln der ursprünglichen Intention‘ und bringt den Hund wieder in einen neutralen Zustand, nachdem er die gerade abgebrochene Absicht beendet hat und sich nun anderen Dingen zuwenden kann.

Viele Hunde zeigen nach der Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin ein Ganzkörperschütteln, um ihren Körper zu regulieren. Dies tritt regelmäßig nach einem Konflikt mit einem anderen Hund auf oder wenn ein nervöser Hund an einen unangenehmen Ort geht, z. B. zum Tierarzt.

Ganzkörperzittern kann die Folge von weniger spezifischen Ursachen sein. Belohnen Sie jedes Körperschütteln mit einem einfachen ‚Braver Hund‘. Es ist wichtig, den Hund dazu zu ermutigen, denn ein Körperschütteln hilft dem Hund, wieder in ’normal Bahnen zu kommen‘.

Auch das ‚Nach-vorn-Strecken‘, wobei die Beine nicht nach außen gespreizt, sondern nach vorne geschoben werden und das Hinterteil leicht angehoben wird, zeigt den Übergang in die neutrale Position an. Dies zeigt in der Gruppe oder im Rudel den anderen Hunden an, dass alles in Ordnung ist und es weiter gehen kann.

Niesen als Stressabbau

Das Niesen, mit dem Hunde ihren Stress abbauen, ist vom Geräusch her mit dem menschlichen Niesen vergleichbar. Dieses spontane Niesen wird durch einen Reiz in der Nasenschleimhaut ausgelöst, wobei die Körperhaltung neutral und nicht auf ein Ziel gerichtet ist, der Kopf etwas gesenkt und leicht geschüttelt wird.

Im Gegensatz dazu gibt es aber noch das ‚Warnniesen‘, dass sowohl bei Hunden als auch Wölfen vorkommt, um auf eine potenzielle Gefährdung Aufmerksam zu machen. Dieses Niesen ist ein dumpfer und kurzer nasaler Laut, zusammen mit einer angespannten Körperhaltung und dem Starren in Richtung der möglichen Bedrohung.


Kommunikation mit dem Hund

Kommunikation mit dem Hund
Die Kommunikation mit dem Hund erfolgt am besten über Sprach- und Zeichensignale.

Wenn wir ein fremdes Land besuchen, versuchen wir, uns mit der gesprochenen Sprache und den kulturellen Gepflogenheiten vertraut zu machen. Die meisten von uns lachen dabei über Geschichten des archetypischen Touristen, der dabei laut in seiner Heiamtsprache schreit, um sich verständlich zu machen.
Deshalb ist es etwas seltsam, dass so viele von uns unserem Hund Befehle zuschreien, wenn er nicht zu reagieren scheint. Dieses Verhalten ist umso mehr lächerlich, wenn man das überlegene Gehör des Hundes bedenkt.

Ein vernünftigerer Ansatz wäre es, sich erst einmal folgende Fragen zu stellen: Versteht mein Hund wirklich, was von ihm verlangt wird ?
Wenn ja, teile ich es ihm auf eine Art und Weise mit, in der er ausgebildet wurde, dies zu erkennen?
Trifft dies auch zu, dann kann der Hund nur abgelenkt sein und dann gilt es festzustellen, was die Ursache dafür ist.

Er könnte durch etwas Interessantes abgelenkt sein, dem er nachjagen oder mit dem er spielen möchte. Vielleicht befindet er sich auch in einem Zustand erhöhter Angst, sodass die Botschaft nicht ankommt. Weiteres Rufen führt dann nur zu weiterem Stress, Besorgnis und potenzieller Wut beim Hund, während sein Herrchen vermutet, dass der Hund ungehorsam, unhöflich oder dominant ist.

Es ist jedoch besser, dem Hund dabei zu helfen, seinen Stress zu überwinden, was sich langfristig für alle auszahlt und ein Zeichen dafür ist, dass beide sich wirklich verstehen.


Kultur von Hunden und Menschen

Man sollte nicht in die Falle tappen, das Verhalten eines Hundes nach menschlichen Verhaltensweisen zu interpretieren, also durch ‚Vermenschlichung‘ oder Anthropomorphismus.
Obwohl Hunde zweifellos Glücksgefühle, Depressionen, Angst und andere weniger leicht zu definierende Emotionen empfinden, sind die Situationen, die diese hervorrufen, ganz andere. So fühlen wir uns unwohl, wenn wir in einem Kuhfladen stehen, während Hunde sich gerne darin wälzen.
Wenn wir eine Maus sehen, laufen manche empfindlicheren Zeitgenossen womöglich in die entgegengesetzte Richtung. Wenn ein Hund dagegen eine Maus sieht, sieht er sie als Beute an und ist genetisch darauf programmiert, sie zu jagen. Dieses Interesse sieht man gut auf den nachfolgenden zwei Bildern.


 

Während die meisten Informationen über unsere Umwelt über eine Unmenge von Symbolen wie Sprache, Straßenschilder, Zeitungen und Fernsehen weitergegeben werden, erhalten Hunde ihre Informationen über ihre Sinne: Sehen, Hören und Riechen. Ihr Gehör und ihr Geruchssinn sind dem unseren weit überlegen, obwohl sie für Rot und Grün farbenblind sind.

Hunde entwickelten sich als Jäger mit einer völlig anderen Wahrnehmung der Welt als wir. Ihr Geruchssinn ist so ausgeprägt, dass, während wir nur eine Sitzbank sehen, der Geruch der Bank dem visuellen Bild des Hundes hinzugefügt wird. Mit anderen Worten, sie ‚riechen buchstäblich die Welt‘, während wir sie nur betrachten.

Die ‚Kultur‘, aus der der Hund kommt, ist eine Gruppe, die sich und ihr Territorium vor Außenstehenden schützen muss. Die einzelnen Mitglieder der Gruppe müssen sicherstellen, dass sie einen Anteil an der Nahrung bekommen, was erklärt, warum ein unsicherer Hund seine persönlichen Grenzen und seinen Besitz ständig bewacht.

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Gruppenverhaltens ist die Koordination, denn das Verhalten der Gruppe ist völlig synchronisiert, sodass alle gleichzeitig fressen, ruhen und jagen. Dies geschieht durch eine ständige, gegenseitige Beobachtung. Die Folge davon ist, dass jedes Rudelmitglied auf seinem höchsten Energieniveau ist, wenn sie jagen, und dies ermöglicht es ihnen, als Team zusammenzuarbeiten.

Aus diesen Umständen ergeben sich drei Folgerungen:

1) Ein Hund kann in Abwesenheit von anderen Mitgliedern seiner eigenen Art ein wenig verloren wirken, weshalb der Mensch ihn in seinem ‚Ersatz-Rudel‚ führen muss.

2) Er ist darauf programmiert, seine Fähigkeiten zum Nutzen der Gruppe einzusetzen. Hunde mögen bei der Jagd nicht so geschickt sein wie Wölfe, ihre Verwandten in der Wildnis, aber Eigenschaften wie Fährtenlesen, Anpirschen, Hüten und viele andere wurden gezielt auch in den modernen Hund hinein gezüchtet, sodass wir auch davon profitieren können.
Da immer mehr Besitzer ihren ehemaligen Arbeitshund nicht mehr für solche Zwecke einsetzen, können wir unserem Haustier-Hund helfen, diese Fähigkeiten in Spielen zu nutzen. Solche Spiele werden ihn stimulieren und beschäftigen, sowie ihn dabei unterstützen, eine Bindung zu uns aufzubauen.

3) Schließlich sind Hunde, ebenso wie Menschen, soziale Tiere. Deshalb wird ein Hund, der den ganzen Tag ohne unsere Aufmerksamkeit oder irgendeinen Fokus allein gelassen wird, sehr wahrscheinlich unter psychologischen Entbehrungen leiden.

Kettenhund alleine
Bei Kettenhunden, welche den ganzen Tag über alleine irgendwo angebunden sind, können neben physischen auch psychische Defizite auftreten.

 

Hier zu Teil II: Sprachführer Hundesprache.


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