Stress abbauen

Stress von Hunden abbauen oder beseitigen.

Hunde warten ohne Stressanzeichen
Hunde warten ohne Stressanzeichen beim Einkauf vor einem Geschäft.

Nützliche Trainings-Techniken zur Beseitigung von Stress

Oft wird das Training eines Hundes dadurch behindert, dass dieser zu gestresst ist, um sich auf das Erlernen eines neuen Verhaltens zu konzentrieren oder gar mit dem zusätzlichen Druck fertig zu werden.

Ein stark gestresster Hund kann sein Herrchen zwar hören, ist aber nicht in der Lage, zuzuhören, weil das Adrenalin in seinem Körper pulsiert. Genauso kann ein aufgeregter, hyperaktiver Hund nicht lernen, weil er sich nicht konzentrieren kann.

Wenn man also dem Hund dabei hilft, ruhig zu bleiben, hat man viel bessere Möglichkeiten, unerwünschtes Verhalten zu beeinflussen. Ein entspannter Hund ist ein aufnahmefähiger Hund. Daher solle jeder Hundehalter wissen, wie man Stress reduziert oder beseitigt.

Deshalb stelle ich hier drei Techniken vor, die sich als wirksam erwiesen haben, um einem Hund zu helfen, ruhig zu bleiben und Stress zu bekämpfen: der Ruhemodus, das Matten-Training und das Kommando ‚schau mir zu‘.


Ruhemodus

entspannter Hund
Ein vollständig entspannter Hund. Die Augen sind nicht fokussiert und der Körper befindet sich in einer vollständig entspannten Position.

Das Beruhigungsprogramm zum Erreichen eines Ruhemodus beruht auf der Tatsache, dass es unmöglich ist, gleichzeitig entspannt und angespannt zu sein.
Wenn ein Hund alarmiert ist, wird das autonome Nervensystem aktiviert und bereitet ihn darauf vor, wegzulaufen oder zu kämpfen. Sobald der Stressfaktor beseitigt ist, übernimmt das parasympathische Nervensystem die Kontrolle und dehnt und entspannt die Muskeln. Dies zu erreichen kann besonders nützlich sein, wenn man einen Hund hat, der sehr erregbar ist oder zu Stress und Ängsten neigt.

Bei diesem Programm wird dem Hund eine Position im Ruhemodus beigebracht, die automatisch das parasympathische Nervensystem aktiviert und ihm somit hilft, sich ruhig und entspannt zu fühlen. Der Hund darf niemals in diese Position gezwungen werden, da dies den gegenteiligen Effekt hätte, indem sich seine Muskeln anspannen, was auch potenziell gefährlich sein könnte.

Trainieren des Ruhemodus

Der Ausgangspunkt dafür ist das Kommando ‚Sitz‘. Um dem Hund dieses Kommandowort (oder ein anderes für den gleichen Zweck) beizubringen, verwendet man die Trainingsmethode mit dem Klicker und Leckerli.

Der nächste Schritt ist die Verwendung eines Leckerlis, um den Hund vom Sitzen zum Liegen zu bringen. Dazu verwendet man das Kommando ‚Platz‘ (oder ein ähnliches, passendes Wort), zusammen mit einem Klick und dem Leckerli.
Das Tier sollte nicht mit den Händen in diese Position gedrückt werden, da dies sehr aufdringlich ist und nicht zur Entspannung beiträgt.

Wenn der Hund schließlich liegt, verwendet man das Kommandowort ‚Ruhig‘ und wiederholt es, während man ihm ein Leckerli zwischen die Vorderbeine legt, wodurch sich sein Kopf niedriger befindet. Das Ziel ist es, dass der Hund so tief und entspannt wie möglich liegt, wobei seine Beine ausgestreckt sein können und er flach auf der Seite liegt.
Es gibt viele Variationen, die von dem jeweiligen Typ abhängen: Manche Hunde mögen es nicht, flach zu liegen, daher sollte die geeignete Ruheposition des eigenen Hundes durch das Urteilsvermögen bestimmt werden.

Man gibt dem Hund Leckerlis so tief wie möglich, etwa unterhalb der Herzhöhe, um den Körper und damit auch den Geist zu entspannen. Dabei regelmäßig mit dem Klicker klicken, damit der Hund ständig positive Verstärkung für sein Verhalten erhält und lernt, dass es eine angenehme Erfahrung ist, mit Herrchen entspannt zusammen zu sein.

Falls man Widerstand gegen das Kommando spürt, sollte man sich keine Sorgen machen, sondern einfach wieder einen Schritt zurückgehen und es später noch einmal versuchen.
Für Hunde, denen es schwerfällt, ruhig zu bleiben, kann es hilfreich sein, einfach nur an einer Stelle zu stehen und sich dreißig Sekunden lang auf sie zu konzentrieren. Sobald der Hund ein größeres Maß an Entspannung erreicht hat, sollte man damit aufhören, dies mit dem Clickern zu verstärken, da dies den Hund aufmerksam machen und ihn daran hindern kann, sich vollständig zu entspannen.


Matten-Training

Hund sitzt auf der Wärmematte
Der Hund sitzt auf der Wärmematte und erhält zur Belohnung ein Leckerli.

Das Matten-Training ist eine zusätzliche Methode, um Entspannung und Konzentration zu fördern. Es geht darum, dem Hund beibringen, dass die Matte Sicherheit bedeutete und dies ein Ort ist, an dem er sich wohlfühlen kann.
Dadurch wird die transportable Matte ein nützliches Hilfsmittel, um den eigenen Hund zu beruhigen, wenn man Freunde besucht oder ihn zu ernsthafteren Anlässen mitnehmen muss.

Die Matte selbst sollte aus einem warmen Material bestehen, das für den Hund bequem und beruhigend ist. Flauschige Materialien sind gut, und eine Thermorückseite ist ideal, damit die Kälte des Bodens nicht durchdringt. Man kann eine Matte auch an verschiedene Orte auslegen, wenn man versucht, ein stationäres Training durchzuführen.

Emotionaler Vorteil von warmen Materialien

Die Fähigkeit eines weichen, warmen Stoffes, ein Tier zu trösten, wurde in den fünfziger Jahren von Harry Harlow in seiner Forschung über Deprivation bei Affenbabys nachgewiesen.
Eine Gruppe von Affen erhielt Nahrung von einer mit Draht bedeckten Ersatzmutter, die andere von einer in weiches Frottee gehüllten ‚Mutter‘. Als beide Gruppen durch ein mechanisches Spielzeug erschreckt wurden, klammerte sich die Gruppe mit der mit Stoff überzogenen ‚Mutter‘ an diese, während die andere Gruppe sich auf den Boden warf und unter erheblichem Stress hin und her schaukelte.

Glücklicherweise sind diese unethischen Experimente heute nicht mehr erlaubt, aber es wurde beobachtet, dass Hunde einen emotionalen Nutzen aus warmem Material ziehen und, wenn sie es sich aussuchen können, solche Matten gegenüber Materialien wie Gummi oder sogar dem nackten Boden bevorzugen.

Matten
Eine Auswahl möglicher Matten: vorne zwei selbstheizende Wärmematten für kleine und mittlere Hunde bzw Katzen. Ein kleiner Flokati oder ein Teppich hält ebenfalls warm und kann gut transportiert werden.

Training des Matten-Kommandos

Auch hierbei ist es wichtig, dass der Hund nicht mit den Händen in die gewünschte Position manövriert wird, sondern dass sein Verhalten geformt wird, damit er versteht, was verlangt wird.
Diese Formung hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie eine effektive mentale Übung für den Hund ist. Aber bitte immer daran denken: nur wenig und dafür öfter, d.h. nach fünf bis zehn Minuten oder wenn der Hund anfängt, die Konzentration zu verlieren, eine Pause machen.

  •  Ziel ist es, dem Hund beizubringen, eine positive Assoziation zwischen der Matte und seiner Sicherheit herzustellen.
  • Die Matte sollte so groß sein, dass der Hund darauf liegen kann, ohne über den Rand zu ragen.
  • Man belohnt ihn zunächst, wenn er sich in der Nähe der Matte aufhält oder diese mit seiner Nase oder seinen Pfoten berührt. Dazu führt man ihn mit dem Kommando ‚Matte‘ zur Matte und benutzt den Clicker, wenn er eine Pfote auf die richtige Stelle setzt.
  • Man wiederholt diese Übung, bis er das Prinzip tatsächlich verstanden hat, d. h. wenn er auf das Kommando ‚Matte‘ hin auf die Matte geht. Ab dann kann das Kommando ‚Sitz‘ angewendet werden, wenn er bereits auf der Matte steht.
  • Es wird so lange fort gefahren mit den Kommandos ‚Matte‘, dann Klick und Leckerchen, dann ‚Sitz‘ gefolgt vom Klick und Leckerchen, bis der Hund zur Matte geht und sich ohne das zusätzliche Kommando ‚Sitz‘ bereits von selbst hinsetzt.
  • Um es dem Hund leicht zu machen, dieses Kommando zu erlernen, sollte man sich zunächst vor die Matte stellen. Das Wort ‚Matte‘ wird benutzt, wenn er weiter weg steht und er erhält bereits eine Belohnung, wenn er in diesen Bereich geht.
  • Anschließend wird der eigene Abstand zur Matte vergrößert, bevor das Kommando gegeben wird. Man schaut oder zeigt auf die Matte, um dem Hund mitzuteilen, was er tun soll.
  • Nun kann man seinen Hund auffordern, sich auf die Matte zu legen. Dabei werden wir sehen, ob er gelernt hat, die Matte zu erreichen und sich dann hinzulegen. Obwohl viele Hunde dies schnell lernen können, gibt es auch solche, die das nicht so bald schaffen, weshalb man es langsam und mit häufigen Pausen angehen sollte.
  • Niemals den Hund bestrafen, wenn er nicht tut, was man von ihm verlangt. Denn das würde den Zweck der Übung unterlaufen, ihm beizubringen, sich zu entspannen. Dies kann nur erreicht werden, wenn er auf seinem Weg positiv bestärkt wird.
  • In der nächsten Phase trainiert man mit dem Hund, auf der Matte zu bleiben. Dies beginnt damit, dass der Hund aufgefordert wird, auf der Matte zu bleiben, um dann für ein paar Sekunden innezuhalten. Ist er ruhig geblieben, wird geklickt und es gibt ein Leckerli.
    Wenn er aber stattdessen aufspringt oder sich bewegt, bitten man ihn, etwas Einfacheres zu tun, z. B. sich auf die Matte zu setzen. Dann kann man klicken und einer Belohnung tun.
    Dieses Verfahren hilft auch dabei, das Kommando einzustudieren, das ihm beigebracht werden soll !
    Man sollte sich keine Sorgen machen, wenn er es nicht auf Anhieb versteht. Das Training soll Spaß machen und für Hund und Herrchen angenehm sein.
  • Sobald der Hund dazu gebracht werden kann, einen Augenblick dort still zu bleiben, erhöht man diese Zeitspanne auf drei Sekunden, dann vier, fünf und so weiter. Dabei bleibt man an der gleichen Stelle stehen und bewegt sich nicht von Hund und Matte weg.
    Wenn er dreißig Sekunden lang auf der Matte bleiben kann, ist es möglich, damit zu beginnen, den Abstand zu ihm zu vergrößern. Das ist schon wesentlich schwieriger, da die meisten Hunde natürlich unbedingt bei Herrchen sein möchte, weshalb man sich langsam immer nur Schritt um Schritt entfernen sollte.
    Bei all dem sollte der Clicker zum Einsatz kommen und der Hund jedes Mal eine Belohnung erhalten, wenn er das tut, was man von ihm verlangt. Wenn er nicht tut, was verlangen wird, geht man beim Training wieder eine Stufe zurück zu den Dingen, welche er beherrscht und belohnt ihn.

Das Kommando ‚Schau mir zu‘

Kommunikation mit dem Hund
Der Hund schaut seinem Menschen in die Augen und ist völlig auf dessen Anweisungen Menschen fixiert.

Das Prinzip des Kommandos ‚Schau (mir zu)‘ besteht darin, die Aufmerksamkeit des Hundes auf den Hundeführer zu lenken. Dies ist sehr nützlich, wenn der Hund durch etwas in der Umgebung aufgeregt wird, wenn er mit Herrchen zusammen unterwegs ist. Zudem hat es den zusätzlichen Vorteil, dass es die Arbeit an der Leine vereinfacht.

Indem man ihm beibringt, sich in jeder Phase einer Situation, die ihn beunruhigt, konzentriert auf die eigene Person zu schauen, kann seine aufgewühlte emotionale Reaktion in ruhige Bahnen gelenkt werden.
Wenn man zum Beispiel weiß, dass Fahrräder den Hund beunruhigen, gibt man, sobald sich ein Fahrrad nähert, das Kommando ‚Schau (mich an)‘, um seine Aufmerksamkeit von dem Fahrrad auf sich selbst zu lenken.

Dieses Kommando ist sehr nützlich für die sogenannte Gegenkonditionierung, einer Methode, bei der ein Verhalten durch ein anderes ersetzt wird. Da der Hund das Kommando ‚Schau (mich an)‘ gelernt hat, wenn er ruhig und entspannt war, wird er die Handlung mit diesem Zustand assoziieren.
Mit anderen Worten: Im Fall der Fahrräder konditioniert man ihn darauf, in der Gegenwart von Radfahrern ruhig und entspannt zu sein. Mit der Zeit wird dieser Zustand seine frühere Angst ersetzen, sodass er nicht mehr das Bedürfnis hat, ängstlich zu bellen, wenn ein Radfahrer vorbeifährt.

Wie man ‚Schau‘ trainiert

  • Am besten beginnt man mit dem Training an einem ruhigen Ort mit wenig Ablenkungen. Der Garten ist ein geeigneter Ort für den Anfang, da der Hund diesen Ort kennt und er überschaubar ist und womögliche Ablenkungen eingeschränkt werden können.
  • Dabei wird der Hund an der Leine gehalten. In einem Moment, in dem er woanders hinblickt, sagt man zu ihm das Kommandowort ‚Schau (mich an)‘. Es sollte in einem freundlichen Ton und in einer höheren Tonlage als normal gesprochen werden, und wenn er einen anschaut, klickt man mit dem Clicker und gibt ein Leckerli aus.
  • Dann geht man ein paar Schritte vorwärts und sagt das Kommandowort erneut. Wenn er reagiert, klickt man wieder und gibt das Leckerli.
  • Bevor man dies an einem anderen Ort probiert, sollte man sich sicher sein, dass er im Garten immer auf das Kommandowort reagiert.
  • Nun besucht man andere Orte, die aber einigermaßen ruhig sein müssen. Ein abgelenkter, gestresster oder ängstlicher Hund hat nämlich Schwierigkeiten, zuzuhören, da seine Aufmerksamkeit ganz auf das für ihn offensichtliche Problem gerichtet ist.
  • Bei jedem Spaziergang sollte man das Kommando ‚Schau (mich an)‘ nur zwei oder dreimal verwenden. Auf diese Weise stellt man sicher, dass der Hund auf das Kommandowort reagiert und nicht abstumpft.
    Wenn er nicht reagiert, ist er wahrscheinlich zu aufgeregt, um Herrchen zu ‚hören‘. Also geht man dann besser weiter und sagt es erneut, wenn man überzeugt ist, dass er weniger von dem Geschehen um ihn herum abgelenkt ist.
    Dabei wird das Tempo verlangsamt oder ganz angehalten, um es ihm in Situationen leichter zu machen, in denen es ihm schwerfällt zu lernen. Wie bei jedem anderen Training auch, sollte man es immer dann durchführen, wenn die größten Erfolgsaussichten bestehen.
  • Schließlich versucht man sein Aufschauen oder gar einen kurzen Blickkontakt während des Gehens durch das Kommandowort ‚Sieh (mich an)‘ zu erreichen.

Das Kommando ‚Schau (mich an)‘ ist ein hervorragendes Werkzeug, um die Aufmerksamkeit des Hundes von einem möglichen Angstreiz abzulenken. Das bedeutet, dass man ein ruhiges Verhalten belohnen und die Verstärkung positiver Emotionen rund um die Ursache seiner Besorgnis unterstützen kann, wodurch das Problem verringert oder sogar ganz beseitigt werden kann.
Mit etwas Übung wird seine Reaktion auf dieses Kommando ‚automatisch‘. Außerdem kann es sein, dass der Hund sich in einer Situation, welche er als stressig empfindet, sogar zu seinem Halter umdreht, obwohl er dazu gar nicht aufgefordert wurde. Dies beweist dann, dass die Reaktion des Hundes auf angstauslösende Reize erfolgreich verändert wurde !

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